00:54 – Erol Jasharoski
Wie viel Geld brauche ich eigentlich, um im Ruhestand gut leben zu können? Klingt nach einer sehr einfachen Frage, aber sobald man darüber anfängt zu rechnen, wird es ganz schnell kompliziert. Rente, Vermögen, Immobilie, Inflation, Lebenserwartung. Am Ende hängen all diese Faktoren miteinander zusammen. Deshalb wollen wir heute in dieser Folge einmal versuchen, das Ganze möglichst einfach zu sortieren.
01:36 – Erol Jasharoski
Der Kollege sortiert gerade noch was anderes.
01:56 – Erol Jasharoski
Sagt mal was.
01:58 – Özgün Imren
Imren? Hallo?
02:03 – Erol Jasharoski
Lasst uns von vorne anfangen: Wie viel Geld brauche ich, um im Ruhestand gut leben zu können?
02:12 – Özgün Imren
Das ist eine sehr gute Frage, Erol. Wie viel Geld du im Ruhestand brauchst, um sehr, sehr gut leben zu können, das kommt tatsächlich darauf an, wie du leben möchtest. Heute gibt es ja viele Möglichkeiten, viele Angebote, dein Geld auszugeben. Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Du hast mit Sicherheit alle möglichen Abos, die es zu abonnieren gibt, zu Hause. Netflix, Disney, YouTube und all das, was man haben kann, um vernünftig etwas für einen zu sehen. Ja, du gehst oft in den Urlaub, fährst drei Autos, dein Kind geht auf die Privatschule und, und, und. Deswegen glaube ich, wird bei dir generell die Aussage „48 % vom letzten Netto“ wahrscheinlich nicht so ganz hinkommen. Spaß beiseite, lange Rede, kurzer Sinn: Es kommt natürlich darauf an. Es kommt darauf an, welche Erwartungshaltung du an dein zukünftiges Leben hast. Dein Lebensstandard, das ist so das Zauberwort.
Wie du deinen Lebensstandard haben möchtest, ob du ihn halten möchtest, so wie du ihn im Erwerbsleben auch hast, oder ob du auch meinst, hier und da natürlich verzichten zu können. Aktuell ist es so: Wir arbeiten, wir verdienen damit Geld, wir haben ein Einkommen durch die Arbeit. Unser Leben hängt von diesem Einkommen ab. Wenn wir irgendwann in Altersrente gehen, nicht mehr arbeiten wollen, weil wir quasi in diese sogenannte Rente kommen, dann bekommen wir auch kein Arbeitseinkommen mehr. Dann muss das Geld irgendwo anders herkommen. Wie viel Geld reinkommen soll, das entscheiden wir. Wie viel soll idealerweise reinkommen, das entscheiden wir. Wie viel wir dann haben, basiert darauf, welche Entscheidungen wir in der Vergangenheit getroffen haben, um dahin zu kommen, dass wir nicht mehr von einem Arbeitseinkommen abhängig sind.
04:18 – Özgün Imren
Aber wenn du jetzt natürlich siehst: Wenn du Miete hast, du ein Auto hast, Mobilität hast, wenn du nur im Biomarkt einkaufen möchtest, auch im Alter, all das kostet Geld. Genau, kommt drauf an, wie so oft.
04:39 – Erol Jasharoski
Wie so oft tatsächlich. Deswegen versuchen wir, genau dieser Frage in der Folge mal so ein bisschen genauer auf den Grund zu gehen. Wir haben uns ja nicht nur diese Frage, sondern auch ein paar Unterfragen überlegt. Als Erstes wollen wir mal gucken: Kriegen wir denn heraus, so Pi mal Daumen, wie viel Geld man eigentlich wirklich später im Ruhestand benötigt? Dann wollen wir uns natürlich noch mal ein bisschen genauer angucken: Wie kann ich denn eigentlich so meine persönliche Rentenlücke herausbekommen? Also was fehlt mir denn Stand heute quasi zu der glücklichen Rente?
Dann natürlich: Wie viel Vermögen brauche ich denn eigentlich, um diese Lücke dann dementsprechend zu schließen, und was für Wege gibt es da? Dann wollen wir natürlich auch mal kurz auf die Immobilie schauen. Also zählt meine Immobilie zu dem Vermögen oder eigentlich dann doch nicht? Und dann am Ende des Tages, ich glaube, eine philosophische Frage würde ich jetzt nicht dazu sagen, aber es geht so ein bisschen in die Richtung, so nach dem Motto: Und das erlebst vor allem, glaube ich, du ganz oft in Kundengesprächen bei der DEGIV. Muss ich mein Vermögen eigentlich bis zum Ende halten oder kann ich darin quasi auch alles ausgeben?
Und vielleicht zurück noch mal zu dem Thema: Wie viel Geld brauche ich für meine Rente? Du hast ja schon mal jetzt kurz angesprochen, man kommt ja oft so mit dem Punkt: Nimm mal 70, 80 Prozent von deinem Gehalt. Damit kannst du eigentlich gut planen.
Ich bin aber auch in meiner Recherche tatsächlich genau auf den gleichen Punkt gekommen wie du, dass man so eigentlich überhaupt gar nicht an das Thema rangehen sollte, sondern man muss eigentlich wirklich gucken: Was sind meine Ausgaben heute? Und daraus dann eigentlich so ein bisschen das Zukunftsbudget rauszurechnen. Ich habe mal geguckt: Was sind eigentlich so Durchschnittswerte, die Haushalte im Jahr beziehungsweise pro Monat verbrauchen?
Da gibt es Informationen aus dem Jahr 2023, muss ich dazu sagen. Da muss man auch noch ein paar Prozentpunkte oben draufpacken. Aber da gab es eine Statistik, die gezeigt hat: Ein Einpersonenhaushalt, der hat pro Monat ungefähr 1.900 Euro. Und ein Zweipersonenhaushalt liegt so bei 3,3. Ich würde, glaube ich, bei beiden locker 10, 20 Prozent, wenn nicht sogar mehr, noch oben draufpacken, weil ich glaube, jeder ...
07:01 – Erol Jasharoski
weiß, was die Lebenshaltungskosten heute sind und wie hoch sie 2023 waren. Wobei, da waren wir auch schon hoch im Vergleich zu den letzten zehn Jahren. Aber das sind so ein bisschen die Werte, die ich herausgefunden habe, wie viel man wirklich pro Monat im Haushalt benötigt: 1.900 und, wie gesagt, 3.300 für einen Zweipersonenhaushalt.
07:23 – Özgün Imren
Ja, und jetzt, du hast es schon angedeutet, du darfst das Thema Inflation nicht vergessen. Nehmen wir mal an, du brauchst 3.000 Euro heute. 3.000 netto, alleine oder zu zweit oder zu dritt, ist ja egal. Und du hast nur 2 % Inflation. Aktuell haben wir ein bisschen mehr. Oder hin und wieder haben wir auch ein bisschen mehr. Dann wären das in 20 Jahren knapp 4.500 Euro. Also, um das Gleiche zu kaufen, was du heute für 3.000 Euro bekommst, bräuchtest du in 20 Jahren 4.500 Euro. Und das ist natürlich super, super wichtig, nicht zu vergessen. In 20 Jahren, in 30 Jahren werden wir definitiv nicht die gleiche Kaufkraft haben, wie wir sie heute haben. Und entsprechend muss man das natürlich in seiner Planung berücksichtigen.
Und auch diese Durchschnittswerte, 1.900 da und 2.800 da. Das ist alles auch schön zu wissen, aber am Ende des Tages kann ich dich ja selber auch fragen: Was weißt du denn schon, was du mit 70 ungefähr brauchen wirst? Ich würde behaupten, also ich jetzt von mir und auch von der Vorstellung, wie ich leben möchte, würden mir mit dem Stand heute 1.900 Euro netto nicht reichen.
08:43 – Erol Jasharoski
Das würde ich so unterschreiben. Zumindest nicht in Deutschland, auf jeden Fall. Das kann man so, glaube ich, sagen.
08:49 – Özgün Imren
Ja, auch. Es ist ja wahrscheinlich bekannt, dass ich türkischer Herkunft bin. Und ich weiß das sogar noch von meinen Großeltern. Meine Großeltern sind ja damals nach Deutschland gekommen und haben gesagt: Wir arbeiten kurz und dann gehen wir wieder. Sparen ein bisschen und dann gehen wir wieder, in den 60er-Jahren. Aber dieses Zurückgehen hat ja nie geklappt. Aber ich weiß noch ganz genau, ich höre es in meinen Ohren. Es hieß immer: Okay, irgendwann ist die Planung dann irgendwie zusammengestrichen worden oder über den Haufen geworfen worden. Gleich zurückgehen oder sparen und gleich zurückgehen, das hat dann nie gepasst. Man hat sich hier wohlgefühlt, man ist hiergeblieben. Kinder sind hier groß geworden, Enkelkinder – meine Person, noch sehr dankbar dafür – sind dann hier auf die Welt gekommen.
Aber dann weiß ich noch sehr genau, auch als Kind hieß es dann: Wenn wir in Rente sind, dann werden wir auf jeden Fall zurückgehen in die Türkei. Und schon damals – und das ist jetzt auch schon über 20 Jahre her – hieß es: Mit der Rente, die wir bekommen ... Und jetzt muss man wissen, mein Opa hat bei, nicht Stadtwerke, aber im öffentlichen Dienst gearbeitet, in der Stadt München, und die haben auch eine gute, in Anführungszeichen, Betriebsrente gehabt. Also sie hatten nicht nur eine gesetzliche Rente, sondern auch eine Betriebsrente. Städtische Rente oder so hat man das genannt. Er hat echt eine gute Rente bekommen, aber er wusste schon damals: Ja, das Leben in Deutschland wird schwieriger. Wenn wir in die Türkei gehen und dort in unserem Haus leben, können wir mit unserem Geld mehr machen. Können wir mehr einkaufen, mehr zu essen kaufen, was auch immer. Mehr den Kindern geben, weil noch mehr übrig bleibt und, und, und.
Das ist ja heute auch so. Also viele, die ich kenne, die sagen: Ja, ich muss mit der Rente, ich habe ... Ein Überleben, ein Leben in Deutschland wird schwierig, vor allem mit der gesetzlichen Rente. Was da kommt, vor allem für die, die kein Eigenheim haben und nur noch Miete zahlen müssen – zu den Punkten kommen wir ja gleich noch –, die sagen, dass sie als Strategie haben, dann auszuwandern.
10:56 – Özgün Imren
Zum Beispiel einen habe ich jetzt vor zwei Wochen kennengelernt, der hat gesagt, er will nach Ungarn gehen. Dort scheint es günstiger zu sein. Einer hat mir erzählt, dass er nach Tschechien gehen möchte, weil es auch anscheinend günstig ist. In die Türkei, wo wir türkische Leute haben. Oder auch viele Deutsche, so an der Südküste, Antalya, Alanya, gibt es ja sehr, sehr viele deutsche Rentner, in Anführungsstrichen, die auch dorthin ziehen und sagen: Hey, hier kriegen wir mehr für uns. Aber auch dort ist es nicht mehr so, dass einem dort quasi alles geschenkt wird. Auch dort wird es teurer. Ja, das dazu, was du gemeint hast: Man muss natürlich auch entscheiden. Wo ich dich auch gefragt habe: Okay, wie viel brauchst du, um zu leben? Ich meine, 1.000 für mich würde nicht reichen. Kommt darauf an, ob ich in Deutschland lebe oder woanders. Aber auch woanders wird es definitiv auch in Zukunft teurer werden.
11:47 – Erol Jasharoski
Es wird in Zukunft teurer, es ist auch teilweise jetzt schon teurer. Das sieht man eigentlich überall. Meine Eltern kommen jetzt nicht aus der Türkei, sondern aus dem Balkan, aber selbst da ist es teurer geworden. Und ich würde meinen, vor allem aus Mazedonien, wo wir herkommen, oder Nordmazedonien, wie man dazu heute sagt.
Es ist ja eigentlich, salopp gesagt, sehr günstig, Lebensunterhalt und alles, aber es wird dann trotzdem alles teurer und teurer. Wobei, ich ertappe uns gerade dabei, dass wir genau den gleichen Fehler machen, weil die Überschrift oder die Frage war ja: Wie viel Geld brauche ich im Ruhestand wirklich? Und wir drehen uns jetzt um die Rente. Aber eigentlich darum geht es ja gar nicht. Mit der Rente selber, das ist das, was wir dann am Ende des Tages zur Verfügung haben. Aber wie viel brauchen wir denn eigentlich? Das ist ja die Frage, die wir uns eigentlich stellen wollten.
Wir haben jetzt diese zwei Zahlen: 1.900 Einpersonenhaushalt und 3,3 für einen Zweipersonenhaushalt. Jetzt würde ich aber meinen, das könnte man einfach sagen: Gut, ich möchte den Standard halten. Das ist das, was ich benötige. Aber ich glaube, die Rechnung ist ja ein bisschen falsch. Ich nehme jetzt ein anderes Beispiel, das ich jetzt auch in der Recherche so herausbekommen habe. Ich habe so ein Paar, das zusammenlebt.
12:41 – Özgün Imren
Ja.
12:56 – Erol Jasharoski
Sagen wir mal, die kommen auf irgendwie 4.500 Euro netto im Monat gemeinschaftlich. Wenn man sich das natürlich anschaut, da ist dann Miete drin, da ist dann vielleicht noch mal ein Sparfaktor irgendwo, Geld, das man ein bisschen beiseitelegt. Da ist jetzt ein Tagesgeld, sei es ein ETF, sei es irgendwas anderes, völlig egal. Dann habe ich vielleicht irgendwo eine Finanzierung am Laufen, sei es fürs Auto, sei es für eine Küche oder, keine Ahnung, für irgendetwas. Das sind ja alles so Ausgaben, die wir im Hier und Jetzt haben.
Jetzt könnte man natürlich meinen, ich übernehme das jetzt einfach vom Gedankengang eins zu eins in die Zukunft und sage: Ich habe später genau die gleichen Kosten. Wahrscheinlich fallen aber ein paar Kosten ja weg. Wohingegen dann aber vielleicht auch im Rentenalter ein paar zusätzliche Kosten dazukommen, an die man heute irgendwie nicht denkt. Vielleicht möchte man dann später sagen, Klassiker: Ich möchte mehr reisen. Aber auf der anderen Seite brauche ich definitiv vielleicht auch mehr Kosten zum Thema Gesundheit.
Vielleicht brauche ich auch irgendwo Hilfe im Alltag. Wir haben in der letzten Folge über Pflege gesprochen. Das ist ja auch etwas, was man auf jeden Fall berücksichtigen muss. Pflegeversicherung ist eine Teilkaskoversicherung. Wenn sie denn bis dahin immer noch eine Teilkaskoversicherung ist, vielleicht implodiert sie. Auf jeden Fall muss man da irgendwie einen Pflegepuffer drin haben. Wenn ich eine Immobilie habe, muss ich auch mit Instandhaltungen rechnen und Sonstigem. Wie gesagt, also in der Beispielrecherche hat man dann gesagt: Na gut.
Wenn man heute 4,5 hat, dann könnte man vielleicht so von dem ersten Planwert sagen: Ja, ich gehe so auf 3.500, so 1.000 darunter, weil ich eben keine Finanzierung mehr habe und Sparen und Sonstiges oder berufsbedingte Kosten noch on top habe. Und ich gehe einfach mal davon aus: 4,5 heute, 3,5 in der Zukunft. Jetzt erlebst du ja sehr oft in deiner täglichen Arbeit genau die Gespräche mit Senioren.
Und die haben sich ja irgendwann in der Vergangenheit auch Gedanken dazu gemacht. Wie war das denn so? Also erlebst du oft, dass die Leute das Thema Kosten und Bedarf an Geld im Rentenalter unterschätzt haben? Oder ist das oft so, dass du das Gefühl hast, das passt eigentlich? Ist das eher jetzt so ein Goodie, das man zusätzlich benötigt, um noch mal was zu erleben oder so? Wie erlebst du das eigentlich so in der täglichen Arbeit?
15:18 – Özgün Imren
Also ich glaube, die Rentner, also ich glaube, dass die Rentner, viele, nicht alle, um Gottes Willen, viele Rentner heute, wenn sie zurückgucken ...
Ich glaube nicht nur, sondern ich höre es und erlebe es, dass sie sagen: Wir haben das Thema Kosten in der Rente unterschätzt. Wir sind mit dem Thema nicht wirklich klar umgegangen. Wir haben uns nicht wirklich hingesetzt und wirklich kalkuliert: Was brauchen wir in Zukunft wirklich? Was werden wir aller Voraussicht nach bekommen? Was haben wir schon aufgebaut? Womit sind wir schon gestartet? Und was müssten wir eigentlich noch tun, um den Standard zu bekommen, den wir uns wünschen?
Ich sehe, dass das sehr viele im Blindflug machen. Die sind dann irgendwann in Rente. Und das Einzige, was vielen leider einfällt, fünf Jahre bevor die Rente losgeht, ist, sich mit der gesetzlichen Rentenversicherung auseinanderzusetzen und zu sagen: Hey, kalkuliert für mich mal bitte, wie viel ich zu erwarten habe. Da kommt eine Zahl X raus. Und dann: Okay, warte, Moment mal. Dann kriegen wir das, das sind dann 1.200. Und dann: Betriebsrente, hatte ich doch ... Vor 25 Jahren war ich noch bei einer Firma, die hatten doch, glaube ich, für mich auch Altersvorsorgebeträge zurückgelegt. Jetzt gucke ich mal, ob es die Firma noch gibt. Ich muss mal gucken, ob es da auch ein paar Groschen rausgibt. Und dann ist es ein Ergebnis, das selten zufriedenstellt, aber dann einfach ein endgültiges Ergebnis ist, weil man nichts mehr machen kann. Und dann sagt man: Ja, Gott sei Dank haben wir wenigstens eine abbezahlte Immobilie. Wir können uns wenigstens so die Miete sparen.
17:09 – Özgün Imren
Natürlich ein großer Faktor, keine Miete zahlen zu müssen im Alter. Vor allem, wenn man in einer Stadt lebt, in Städten wie München oder Hamburg oder wie auch immer. Da zahlt man ja mittlerweile auch schon für eine Zweizimmerwohnung 1.500 Euro Miete.
Viele leben in größeren Wohnungen und Häusern. Wenn sie solche Häuser oder Wohnungen mieten würden, würden sie weit mehr zahlen. Dann würde wahrscheinlich die Rente gar nicht dafür reichen. Und deswegen glaube ich, dass die damals schon im Blindflug unterwegs waren. Sie stehen jetzt vor vollendeten Tatsachen. Wenn ich aber jetzt mit vielen spreche: Es gibt viele, die machen was. Aber nicht mit dem Gedanken, dass sie sagen: Ich habe ganz klar ausgerechnet, was ich wirklich für meine Rente brauche, was ich habe und da will ich hin. Sondern man legt halt zur Seite, was man meint, was man zurücklegen möchte.
Man lebt jetzt, man will jetzt Urlaub machen, man will jetzt konsumieren, man will schön leben und wenn noch was übrig bleibt, dann lege ich das halt zur Seite. So. Und die Befürchtung ist, dass wahrscheinlich auch in Zukunft viele ins Rentenalter kommen werden und überrascht darüber sein werden, dass das, was sie da haben oder aufgebaut haben, wahrscheinlich nicht reichen wird, den gewünschten Lebensstandard zu halten, die gewünschten Ausgaben oder vielleicht auch notwendigen Ausgaben, die man im Rentenalter hat, bedienen zu können. Weil Fakt ist auch, auch das sehe ich tagtäglich in meinem Job: Es wird nicht leichter im Alter. Wenn ich sehe, die, die Geld haben und ihren Lebensabend verbringen, für die ist es auch nicht leicht, auch da spielt die Gesundheit eine Rolle. Aber wenn du wenigstens Geld hast, erleichtert das manche Dinge, im Vergleich dazu, wenn du kein Geld hast.
Du kannst dir ein paar Sachen hinzuziehen, hinzukaufen. Du kannst dir eine Putzkraft holen, die für dich dein Haus putzt. Und wenn es besonders sauber sein soll, dann kommt die halt zweimal die Woche und nicht einmal im Monat.
19:11 – Özgün Imren
Oder ich sehe auch die, die sagen: Ich bestelle mir mein Essen oder ich lasse mir sogar jemanden kommen. Oder ich habe eine Putzfrau, die nicht nur putzen kann, sondern auch eine super Köchin ist, die bleibt zwei Stunden länger und kocht auch für mich. Das sind natürlich Annehmlichkeiten, bei denen jeder, jede, die ich kennengelernt habe und kennenlerne, superglücklich ist. Wohingegen andere, wenn die alles selber machen müssen, vom Niveau abfallen müssen, um überleben zu können, die tun sich tatsächlich schwer.
Ich bin jetzt mal bewusst nicht in den Punkt Gesundheitsvorsorge eingestiegen. Auch die Krankenkasse, die zahlt ja auch nicht mehr alles. Alle Medikamente, alle Behandlungen, alle Heilmittel und, und, und. Wenn man etwas braucht, aber die Krankenkasse es nicht zahlt und man dann sagt: Okay, dann verzichte ich darauf, weil ich einfach selber auch kein Geld habe, dann ist es natürlich bitter, auch im Alter. Und ich glaube, um es jetzt auch ein bisschen abzukürzen: Ich glaube, wenn wir alle, inklusive mir – auch ich habe mich viele, viele Jahre nicht bewusst mit dem Thema auseinandergesetzt. Natürlich mache ich was, natürlich lege ich ein bisschen was zur Seite, natürlich investiere ich Geld, aber nie, dass ich sage: Das ist jetzt genau der nächste Baustein in meiner Rentenlücke.
Ich habe insgesamt, keine Ahnung, sagen wir mal, ich habe 2.500 Euro Rentenlücke und das, was ich jetzt mache, trägt 200 Euro dazu bei. So genau ist es ja nicht, sondern man macht so gut, wie es geht, und hofft, dass alles gut geht. Aber das ist eigentlich nicht der richtige Weg. Idealerweise sollte man noch bewusster mit dem Thema umgehen und noch bewusster investieren. Vielleicht tatsächlich, das gilt auch für mich, durch dieses Bewusstsein auch bewusst auf den ein oder anderen ...
21:04 – Özgün Imren
... auf die eine oder andere Konsumausgabe verzichten.
Weil auch ich bin natürlich nicht davor geschützt, den ganzen Konsumversuchungen permanent widerstehen zu können. Auch mir wird permanent etwas angeboten, was ich kaufen könnte, sollte und so weiter.
21:28 – Özgün Imren
Aber ...
21:34 – Özgün Imren
Alle, die das im Rentenalter dann haben und Geld zur Verfügung haben, sehe ich auch, wie glücklich die sind und wie das das Leben erleichtern kann im Alter. Und im Gegenteil die, die es nicht haben, wie schwer die sich tatsächlich tun.
21:49 – Erol Jasharoski
Ja.
Kann ich gut nachvollziehen. Ich sehe hier auch sehr häufig so, wie gesagt, auch sehr oft einfach diese Gedankengänge bei meinen Eltern, die beide in Rente sind. Aber tatsächlich, also vor allem mein Vater, einfach nach wie vor Ängste hat, dass das Geld nicht reicht, oder ich glaube, die größte Angst einfach ist, dass er vor allem für mich zu einer Belastung wird. Deswegen ist er tatsächlich, wie gesagt, in Rente, arbeitet aber trotzdem noch immer wieder. Also Busfahrer gewesen, fährt heute immer noch Bus, mit Mitte 70. Da könnte man natürlich meinen: Um Gottes Willen, gibt es keine Jungen? Tatsächlich, es gibt keine Jungen. Es ist nicht so, dass er sich auf die Straße stellt und sagt: Hallo, habt ihr Arbeit für mich? Sondern tatsächlich sein Netzwerk, das ihn halt einfach noch von früher kennt. Das Telefon klingelt jeden Tag bei dem. Mein Telefon klingelt nicht so oft, dass irgendjemand nach mir fragt, wie bei ihm, um zu sagen: Hey, kannst du hier vielleicht noch mal kurz eine Runde übernehmen? Hier Schienenersatzverkehr, da gibt es irgendwie eine Gruppe, die muss dahin, da müssen Schulkinder gefahren werden. Das gibt es doch nicht. Das gibt es doch nicht, dass das tatsächlich so ist.
Aber wie gesagt, wir wollen jetzt gar nicht in die Schiene abdriften. Das ist tatsächlich so, dass das zumindest bei meinen Eltern, vor allem bei meinem Vater selber, gar nicht aufgehört hat, dieser permanente Gedanke mit der Rente, da irgendwelche Lücken zu schließen. Aber man muss auf der anderen Seite auch sagen: Meine Eltern sind jetzt niemand, die dieses Konsumverhalten, von dem du gesprochen hast ... Das ist bei denen 0,00 Prozent da. Wir haben so einen konservativen Gedankengang schon immer gehabt nach dem Motto: Wir sparen, wir sind sehr vorsichtig, wir geben gar nicht so viel Geld aus. Und tatsächlich machen sie das im Rentenalter immer noch, obwohl es ihnen eigentlich finanziell auch ganz gut gehen würde. Trotzdem leben sie das Leben nicht so. Ist jetzt vielleicht noch mal ein anderes Problem.
23:45 – Erol Jasharoski
Was sie da vielleicht für sich lösen müssen: einfach sich zu erlauben, auch mal in den Konsum zu gehen, in Maßen. Ja, ich habe es auch aufgegeben. Am Ende des Tages muss jeder für sich entscheiden, wie sie das machen wollen. Aber ich glaube, um jetzt vielleicht die Frage auch abzuschließen und in die nächste Frage reinzugehen: Also wie viel Geld brauche ich für meine Rente, ist tatsächlich sehr, sehr schwierig irgendwie zu beantworten.
23:53 – Özgün Imren
Das wird schwierig, glaube ich. Das wird schwierig. Ich glaube, wenn du das so intus hast ...
24:11 – Erol Jasharoski
Klar, man kann jetzt sagen: Nimm 70, 80 Prozent von meinem letzten Gehalt. Schlauer wäre aber, sich wirklich mal eine halbe Stunde hinzusetzen und sich wirklich zu überlegen: Was sind eigentlich die Kosten, die ich heute habe, und welche davon würden in der Theorie wegbrechen? Aber welche neuen würden dazukommen? Und einfach eine ganz simple Haushaltsrechnung zu machen, zu sagen: Okay, das ist der Betrag, den wir später brauchen. Dann im nächsten Schritt natürlich – und damit sind wir auch schon bei Frage zwei –: Wie groß ist meine persönliche Rentenlücke?
Und damit verbunden muss ich natürlich auch verstehen: Was ist denn überhaupt die Rente, die ich bekomme, oder was ist die Durchschnittsrente, um dann eben zu sehen: Was ist denn die Lücke, die ich da schließen muss? Jetzt kommst du ja ursprünglich nicht nur aus der Immobilienwelt, sondern auch aus der Versicherungswelt, damit auch verbunden aus der Finanzwelt, in Anführungszeichen. Wie geht man da eigentlich vor, diese Rentenlücke A zu ermitteln und dann im nächsten Kapitel auch zu schließen? Aber lass uns mal im ersten Schritt bleiben. Wie ermittle ich das? Wie weiß ich, wie hoch meine Rentenlücke da eigentlich ist?
25:20 – Özgün Imren
Also wenn du jetzt zu mir kommen würdest, dann würde ich als Erstes von dir verlangen, dass du dir eine Renteninformation geben lässt. Die kriegst du sowieso jedes Jahr per Post zugeschickt. Und da steht eine zu erwartende gesetzliche Rente drauf, die du bekommst. Wenn du so in dem Rahmen, wie du bis jetzt einbezahlt hast, weiter einzahlst, dann wirst du irgendwann mal diese Rente bekommen.
So, jetzt steht unten drunter irgendwo: Bitte beachten Sie die Inflation. Rechnen Sie die auch mit rein. Und wenn die gesetzliche Rente ein Prozentpunkt höher ausfällt, dann wird das so viel. Und wenn es doch nicht so gut läuft, dann wird es vielleicht so und so viel. Das ist keine Garantie, diese Zahl. Aber von der kannst du mal ausgehen. Und es ist wichtig, jetzt diese Zahl so zu verstehen, dass sie natürlich mit heutiger Kaufkraft dir mitgeteilt wird. Stand heute, zum Beispiel, 3.000 Euro bekommst du gesetzliche Rente. Das habe ich dir vorhin gesagt: Wenn du nur 2 % Inflation annimmst, in 20 Jahren bräuchtest du, um das Gleiche zu kaufen, fast 4.500 Euro. Dafür würde ich dich sensibilisieren.
Also erst mal einen Status quo feststellen. Was hast du schon bis jetzt? Was wirst du wahrscheinlich, wenn du weiter einzahlst, irgendwann in 20, 25 Jahren, je nachdem, wann du dich entscheidest, in Rente zu gehen? Weil die gesetzliche Rente ist ja nicht so ganz freiwillig. Stand jetzt 67. Bis du in Rente bist in 40 Jahren, ist es dann vielleicht 70. Jetzt weiß auch jeder, wie alt du bist oder wie jung du bist. Genau, und das, also ich würde jetzt den Status quo angucken. Gesetzliche Rente, vielleicht auch ein bisschen Betriebsrente.
27:09 – Özgün Imren
Ob du auch private Rentenversicherungen hast, ob du vielleicht ein Eigenheim hast, wie du da aufgestellt bist, ob das gegebenenfalls, bis du in Rente bist, auch abbezahlt ist, sodass du quasi keine Finanzierung mehr bedienen musst. Wenn du kein Eigenheim hast, dann würde ich mir angucken: Wie lebst du jetzt? Welche Miete zahlst du? Ich würde mich auch fragen: Willst du diesen Lebensstandard mit der Miete oder wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass du weiter diese Kosten hast?
Zuerst die Einnahmenseite angucken, dann die potenzielle Ausgabenseite angucken. Dann siehst du erst mal, was du hast und was du wahrscheinlich brauchen wirst. Und dann stellst du relativ schnell fest, was Stand heute deine Rentenlücke ist. Darauf basierend kannst du dann eine Strategie entwickeln, wenn du noch Zeit hast, wenn du genau diese Gespräche schon früh genug führst. Das macht keinen Sinn oder es wird sehr schwierig, wenn du damit Mitte 50 anfängst. Weil: Je später du anfängst, irgendwelche Lücken schließen zu wollen, umso mehr musst du natürlich Input geben. Input heißt: einzahlen irgendwo, zur Seite legen, irgendwie, irgendwo, damit am Ende des Tages auch irgendwie, irgendwo was rauskommt, was diese Lücke schließen kann.
Und so würde ich tatsächlich bei dir vorgehen. Weil diese Aussagen, irgendwie die Durchschnittsrente oder die Durchschnittsrente – lesen wir ja überall, dass irgendwie das Rentenniveau 48 % beträgt.
28:22 – Erol Jasharoski
Ja.
28:34 – Özgün Imren
48 % von jedem. Das heißt nicht, dass du pauschal 48 % von deinem Nettoeinkommen als Rente bekommen wirst. Und auch nicht jeder. Das ist einfach so der Durchschnitt. Und wenn man sich die durchschnittliche Altersrente anguckt, dann beträgt die, also betrug im Jahre 2025, habe ich gelesen, 1.195 Euro. Das ist ...
29:03 – Erol Jasharoski
Das ist aber dann die Netto.
29:04 – Özgün Imren
Genau, also das ist nach Krankenversicherung und Pflegeversicherung, aber vor einer möglichen Einkommensteuer. Also die wird jetzt keine 40 % betragen bei 1.195 Euro, aber es gibt Rentner, die müssen Steuern zahlen. Also das verdrängen auch manche. Man muss Einkommensteuer zahlen auf die Renten, die man bekommt. Und das darf man nicht vergessen und entsprechend muss man das natürlich auch in der Lückenberechnung berücksichtigen.
29:38 – Erol Jasharoski
Ja, ich habe im Endeffekt genau die gleiche Übung gemacht. Da braucht man gucken: Was ist so die Durchschnittsrente? Wobei, für die eigene Planung bringt jetzt die Durchschnittsrente gar nichts. Aber wie gesagt, wir haben jetzt auch schon den Anspruch, natürlich jetzt hier im Podcast auch ein bisschen die breite Masse anzusprechen. Und also mit mindestens 35 Versicherungsjahren kommst du als Mann auf 1.892 Euro brutto Durchschnittsrente und als Frau bei 1.459 Euro brutto.
Wie gesagt, im Durchschnitt. Also der Zahlbetrag, das, was man dann wirklich auf die Hand bekommt nach den ganzen Abzügen für Kranken-, Pflegeversicherungen und Co., sind es dann eben diese 1.195 Euro, die ich dann auf die Kralle bekomme, so nach dem Motto. Jetzt wird es aber interessant. Es ist jetzt pro Person. Wir haben ja vorhin dieses Beispiel gehabt von einer Familie, die Stand jetzt 4.500 Euro netto im Monat hat und sagt: Ich möchte jetzt in der Zukunft, wir bleiben bei den Beispielsachen einfach, 3.500 Euro Bedarf haben. Zusammengerechnet, wenn wir jetzt einfach noch die Durchschnittsrenten nehmen, haben die dann so, in Anführungszeichen, sichere Einkünfte von 2.500 Euro, so aufgerundet. 3.500 minus 2.500 sind 1.000 Euro. Und diese Differenz, das wäre ja dann die entsprechende Rentenlücke.
30:45 – Özgün Imren
Und heute ...
31:03 – Erol Jasharoski
... die man jetzt quasi schließen muss. Also 1.000 Euro im Monat sind gleich, also 12.000 Euro im Jahr. Das ist jetzt quasi die Lücke, die ich jetzt idealerweise noch schließen kann in den nächsten Jahren. Wenn ich diese Rechnung natürlich irgendwie kurz vor der Rente mache, wird es eine ordentliche Herausforderung, diese Lücke wahrscheinlich noch so kurzfristig zu schließen.
31:27 – Özgün Imren
Auf jeden Fall. Ich hoffe, dass du in deiner Berechnung, die du jetzt gemacht hast, von 1.000 Euro Lücke und 3.500 Euro Bedarf, dass du da, wenn du sagst, du hast heute 4.500 Euro netto, ja, aber dir würden 3.500 Euro auch reichen, dann ist es ja Stand heute. Du musst eigentlich gucken: 3.500 heute würden dir reichen. Die 3.500 heute sind aber in, habe ich dir vorhin gesagt, oder 3.000 heute, sind in 20 Jahren 4.500. Also eigentlich brauchst du nicht 3.500, sondern wahrscheinlich die 5.000 Euro im Monat, um die Kaufkraft von heute 3.500 Euro zu haben. Ich würde sogar sagen, mindestens, weil das nur mit einer Inflation von 2 % gerechnet ist. Und wir leben in inflationären Zeiten. Die Aussicht, dass die Preissteigerungen ...
31:59 – Erol Jasharoski
Richtig.
32:24 – Özgün Imren
... mal unter 2 % sind, würde ich jetzt nicht hoch einschätzen. Ich möchte nicht den Teufel an die Wand malen, aber geh vielleicht sogar von ein bisschen mehr aus. Aber nur wenn du von 2 % ausgehst, brauchst du fast 5.000.
Dein Rentenbescheid sagt dir heute, und das ist das A und O, das ist mal die Basis, dein Rentenbescheid sagt: Zusammen bekommt ihr 2.500. Also fehlen dir noch 2.500. Jetzt musst du dir überlegen: Wie kriege ich, woher kriege ich diese 2.500 im Monat?
Mit noch mal ...
33:00 – Özgün Imren
... in 20 Jahren, also dann, wenn du halt in Rente gehst. So. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese 20 Jahre. Vielleicht hast du schon was gemacht, vielleicht hast du schon eine Immobilie. Vielleicht kann ja auch eine Strategie sein: Vielleicht erbst du was. Gespräche, die ich führe, da sagen Leute: Ich mache mir jetzt nicht so viele Sorgen, weil ich werde so oder so was erben. Das steht schon fest. Und das wird dann vielleicht die eine oder andere Lücke kleiner machen oder ganz schließen, je nachdem.
Wer so etwas nicht in Aussicht hat, der muss natürlich sich einen Plan entwickeln, um nicht wirklich irgendwann vor dem Punkt zu stehen und noch drei Jahre hin zu haben: Jetzt habe ich die Rechnung aufgemacht und das reicht hinten und vorne nicht.
Und dann muss man vielleicht sogar auswandern. Nicht weil man will und weil das Leben woanders mehr Sonne ist, mehr Vitamin D gibt und das Essen oder das Gemüse frischer ist, sondern weil ich muss. Weil ich mir das Leben an dem Ort, an dem ich das ganze Leben lang gelebt habe, wo ich mein Netzwerk habe, wo ich mein Umfeld habe, wo ich den Bäcker mit Vornamen kenne und alles, alles, nicht mehr leisten kann und verlassen muss.
34:18 – Erol Jasharoski
Das ist genau der springende Punkt.
34:20 – Özgün Imren
Das ist auch tatsächlich ein Punkt, über den ich mir selber auch Gedanken mache.
Ich lebe nicht schlecht. Wir machen regelmäßig Urlaub. Ich kann mir die Kindergartenbeiträge meiner Tochter leisten. Ich muss mich tatsächlich nicht so sehr aufregen. Da bin ich auch sehr dankbar dafür. Die haben letztens erzählt, dass irgendwie ab nächstem Jahr irgendein Zuschuss von 100 Euro wegfällt oder so. Und ja, ist total doof, weil der Staat Bayern irgendwie das nicht mehr zahlt. Du merkst, ich habe mich damit gar nicht so viel auseinandergesetzt, weil ich das einfach als gegeben dann einfach halte. So: Okay, Gott, wird schon weitergehen. Ich werde meine Tochter jetzt nicht abmelden müssen vom Kindergarten oder die Zeit kürzen müssen wegen den 100 Euro. Ich weiß aber, dass es auch andere Eltern gibt, die tatsächlich darüber nachdenken, die Zeiten zu kürzen, weil die 100 Euro wirklich extrem sogar am Haushaltsbudget kratzen, knabbern, ja?
Und jetzt ist es so: Ich befinde mich in einer Situation, in der ich mir nicht so viele Gedanken machen muss. Aber gleichzeitig weiß ich: Okay, den Lebensstandard, den ich heute habe, der nicht in Saus und Braus ist, überhaupt nicht, aber ich kann auch zwei Schnitzel am Tag essen, wenn ich das unbedingt will. Die Frage ist wirklich, wirklich ernst gemeint: Kann ich auch zwei Schnitzel am Tag essen, wenn ich nicht mehr arbeite?
36:04 – Özgün Imren
Kann ich auch die zwei Schnitzel essen? Das ist jetzt symbolisch nur gemeint. Ich habe keinen Bock, zwei Schnitzel am Tag zu essen. Aber wenn ich in 20 Jahren, dann bin ich 65, und tatsächlich mich entschließe ... Wobei das bei mir auch noch mal, auch vielleicht können wir auch noch mal kurz reden: das Thema, muss ich in Rente gehen, ja? Oder wie lange kann ... Ja, dein Papa arbeitet ja auch noch.
Ich glaube, oder so wie du es ja sagst, auch nicht nur deswegen, weil er das Einkommen braucht, weil ihnen geht es gut, sondern weil es ihm einfach auch Spaß macht und er vielleicht ein bisschen sogar nicht loslassen kann von seinem Job. Das vermute ich bei mir wahrscheinlich auch. Aber idealerweise, mein Wunschtraum wäre, dass ich das freiwillig mache, weil ich einfach so unglaublich viel Lust auf meinen Job habe, wie ich jetzt auch habe. Ich habe jetzt unglaublich viel Lust und Spaß an meinem Job. Und ich vermute sogar, dass es so weitergeht, dass ich in 10 und 20 Jahren immer noch so viel Lust auf diesen Job habe. Aber dann will ich ihn machen dürfen und nicht machen müssen, weil mir das Einkommen fehlt.
Und damit beschäftige ich mich tatsächlich. Vielleicht hat das auch was, wenn man sagt, so ab 40 – du bist jetzt auch bald 40 – da rattert es irgendwie dann doch mehr. Die Ausreden, wie gesagt, ich bin ja noch so jung und bis zur Rente ist noch so weit, kann ich mich immer noch irgendwann kümmern. Was ich in meinen 20ern, vielleicht 30ern hatte, das hat nach und nach aufgehört und ist schon an einem Punkt jetzt, mit Mitte 40, wo das gar nicht mehr im Kopf ist: Ich habe ja noch so viel Zeit.
Wie viel kann ich machen, wenn ich will, später? Und wie viel muss ich hoffentlich nicht machen, wenn ich es nicht machen will, später?
38:01 – Özgün Imren
Und in meiner heilen Welt ist es so: Ich habe noch unglaublich viel Spaß an der Arbeit und mache weiter und verdiene mir quasi noch ein Zubrot. Und kann mir damit dann meine Schiffsreise mit meiner Frau leisten. Die Realität ist, dass man daran jetzt schon sehr hart arbeiten muss und investieren muss und auch klug investieren muss. Und in den nächsten 20 Jahren darf da tatsächlich auch finanziell nicht mehr so viel schieflaufen.
Weil, wenn was schiefläuft, ist das vielleicht sogar gar nicht mehr ein erreichbares Ziel, sondern nur noch eine Sache, die mit viel Glück nur noch geschafft werden kann. Und tatsächlich eine Strategie, die nur auf Glück basiert, finde ich jetzt nicht so – also passt zu mir nicht.
38:57 – Erol Jasharoski
Kann ich definitiv so unterschreiben. Ich glaube, genau, vielleicht noch mal zusammengefasst: Wir haben uns jetzt die Frage gestellt, wie viel Geld brauche ich eigentlich für meinen Ruhestand? Haben wir so, also nicht wirklich mit einer Zahl beantwortet, aber zumindest mit einer Rechenhilfe, würde ich jetzt mal sagen, wie man rangehen kann. Wir haben jetzt unser fiktives Beispiel mit den 3.500 mal genommen, wobei mit Inflation hin und her müssten wir eigentlich bei 5.000 landen. Dann haben wir im zweiten Schritt ja auch noch mal jetzt geklärt: Gut, wie ermittle ich denn jetzt eigentlich diese Rentenlücke? Danach sollte so ungefähr klar sein, was ich benötige. Beim ersten Beispiel mit den 3.500 waren es 1.000, die jetzt gefehlt haben, wenn man die Durchschnittsrente nimmt. Wenn man jetzt natürlich die 5.000 nimmt mit Inflation und Co., um die gleiche Kaufkraft zu haben in 20 Jahren wie heute, dann sind es halt eben 2.500.
Wo es jetzt wirklich interessant ist, eigentlich, wenn man sich die Frage stellt: Wie viel Vermögen brauche ich denn jetzt, um das zu schließen? Weil wir haben es jetzt auf der Monatsebene. Wir haben gesagt: Wir brauchen 1.000 Euro mehr, beziehungsweise 2.500. Wenn man das jetzt aber hochrechnet, dann sind es schon mal ganz andere Summen an Kapitalbedarf. Also ich habe das mal gemacht, die Übung. Wenn ich mal eine Lücke habe von 500 Euro im Monat, das ist ja nicht so viel, 500 Euro kriege ich ja vielleicht noch irgendwie gebacken, dann bedeutet das aber hochgerechnet an Kapitalbedarf: Für 20 Jahre sind es dann 120.000 Euro.
40:06 – Özgün Imren
Ja.
40:21 – Erol Jasharoski
Für 25 Jahre wären es 150.000. Und bei 30 Jahren wären es 180.000. So, und jetzt wissen wir es: Statistisch werden wir alle älter. Medizinisch wird es in den nächsten Jahren wahrscheinlich auch den einen oder anderen Sprung geben. Das heißt, wir können locker eigentlich davon ausgehen, selbst wenn wir mit 70 in Rente gehen. Also 20 Jahre könnten wir eigentlich mal rechnen, also realistisch in Anführungszeichen.
So, wenn wir jetzt mal auf 1.000 Euro gehen, was für unser Beispiel von vorhin war, dann sieht es in 20 Jahren nämlich so aus, dass ich da 240.000 Euro an Kapitalbedarf habe. Wenn ich das jetzt mit 60 oder so feststelle, also 240.000 Euro, dann kann ich jetzt Tipico spielen gehen oder Lotto noch mal den einen oder anderen Schein abgeben und hoffen, dass ich was bekomme. Aber die Lücke, die schließt man definitiv nicht so schnell. Wenn ich jetzt natürlich in den 40ern bin, wie bei uns, dann könnte ich mir vielleicht noch irgendwo Gedanken machen, wie ich in den nächsten Jahren eben aufstocke, dass ich dann halt eben entsprechendes Vermögen und Kapital habe, um diese Lücke quasi auch zu schließen. Die wird der Staat für mich nicht schließen, weil Rente habe ich ja schon. Das ist ja das, was ich on top noch benötigen würde. Das heißt, es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder ich überlege mir, wie ich das schließen kann, oder ich fange an zu sparen, weil so viel Kapital werde ich dann definitiv nicht zur Verfügung haben. Das ist eine sehr interessante Sicht, wenn man das mal wirklich auf den Kapitalverzehr packt und eben nicht nur in die Monatsbetrachtung.
41:56 – Özgün Imren
Ja, und die Frage, die du für dich selber beantworten musst: Ob das, was du quasi an Kapital aufgebaut hast, diese Lücke zu schließen – ja, wir haben eine super einfache Rechnung gemacht, auch ohne Zinsen etc. –, soll das Vermögen aufgezehrt werden durch deine Rente oder hast du sogar den Anspruch, etwas vererben zu wollen?
Ja, man gibt ja auch. Also, du hast ja eine Tochter, auch ein Kind. Man will auch irgendwie vielleicht auch was vererben. Man will irgendwie ... Das ist ja so der Wunschgedanke: Die soll es mal einfacher haben im Leben, in Anführungsstrichen, höre ich auch viel. Ob das jetzt so gut ist oder nicht, das ist mal eine ganz andere Sache. Aber wenn du jetzt sagst, ich möchte die 500 Euro im Monat über 20 Jahre verzehren, dann brauchst du das Kapital, was du da gesagt hast. Wenn du jetzt aber sagst, eigentlich sollte das Kapital, was ich aufgebaut habe, angelegt sein und ich möchte nur von den Erträgen dieses Kapitals leben, dann brauchst du noch viel, viel mehr.
Noch viel, viel mehr. Irgendwann ist es dann so: Okay, was will ich und was ist die Realität, was ist mein Wunschdenken? Dann bist du vielleicht irgendwann an der, wie gesagt, in der Realität angekommen. Vielleicht ist das irgendwie ein Mischverhältnis. Aber ja, also, wenn du heute 12.000 im Jahr aus deinen Erträgen haben willst, also ohne dass du dein Kapital aufzehrst, weil du es vererben möchtest, dann brauchst du schon, wenn du es mit 3 % anlegst, 400.000 Euro.
43:45 – Özgün Imren
Und 3 % ist schon realistisch. Das ist dann vielleicht sicher. Das ist die deutsche Bundesanleihe. Du willst es nicht in irgendwelche komischen, schwindeligen Fonds irgendwie anlegen, die dann 6 % dir versprechen und 7 %. Wobei du ja sagst, du kennst auch sichere Anlagen, wo man 8 % bekommt. Hast du mir letztens gesagt. Ich warte heute noch auf den Nachweis. Oder auf den Namen. Das bleibt geheim, okay? Nur ich darf sie nicht kennen.
44:04 – Erol Jasharoski
Bleibt geheim.
44:10 – Özgün Imren
Aber wenn wir mal bei 3 % bleiben: Wenn du 12.000 im Jahr haben möchtest, Erträge, dann brauchst du 400.000 Euro auf der Seite. Hast 400.000 Euro auf der Seite und bekommst monatlich quasi deine 1.000 Euro. Das ist natürlich dann diese Entscheidung, die du auch treffen musst. Tatsächlich die Realität: Ob du überhaupt was vererben kannst oder nicht. Vor der Realität stehe ich auch. Wirklich zu sagen: Kann ich es mir überhaupt leisten in Zukunft, wenn ich meinen Lebensstandard halten möchte? Ich möchte dies, ich möchte das. Ich habe vorhin von Schiffsreise gesprochen. Alle meine Kunden gehen auf Schiffsreise. Ich finde das voll cool, weil ich mit denen auch die Kataloge teilweise gemeinsam angucke. Und unglaublich, was für tolle Bilder, was für tolle Schiffe und Antarktis und Australien und keine Ahnung. Da merkst du gleich auch, wo du gerade mit den Leuten bist. Wo die wohnen, entsprechend verändern sich auch die Kataloge, die die auf den Tischen haben, oder die Wünsche und Träume, die sie haben.
Und all das möchte ich auch so, ne? In meinem Idealbild. Ja, okay, aber Butter bei die Fische, das kostet alles verdammt viel Geld. Ist es überhaupt wirklich realistisch, hier zu sagen, ich werde hier noch großartig was vererben, oder muss man der Realität wirklich, wie sagt man, ins Auge sehen? Und eine unmissverständliche, klare ... unmissverständliche, klare Zahl aufs Papier bringen und sagen: Liebes Töchterchen, wir haben so viel Bock auf noch ein schönes Leben im Rentenalter mit deiner Mama. Wir wollen es auch echt, wir wollen es uns gut gehen lassen und dafür sind wir auch bereit, jetzt was zu tun. Geh du mal davon aus, dass du, wenn wir nicht mehr da sind – und hoffentlich hält diese Reihenfolge auch ein, dass wir zuerst gehen –, dass du da nicht so viel bekommen wirst.
Aber versprochen, kommt jetzt auch noch dazu: Wir werden uns viel Mühe geben, dass wir nicht nur für unser Alter jetzt vorsorgen, sondern wir werden uns auch viel Mühe geben, auch in dich jetzt zu investieren, sodass du nicht auf ein Erbe angewiesen sein wirst, sondern für deinen Lebensunterhalt so gut aufkommen kannst, dass du sagst: Ach, liebe Mama, lieber Papa, ich gönne es euch von Herzen, dass ihr das, was ihr aufgebaut habt, auch verlebt.
46:34 – Özgün Imren
Dass ihr das, was ihr aufgebaut habt, auch verlebt.
Das wäre ein sehr wahrscheinliches Szenario, dass wir an dem Punkt sind, dass wir nichts geben können. Und idealerweise, eine Wunschvorstellung, gönnt es uns unsere Tochter sogar, weil sie sagt: Ich brauche das gar nicht. Aber dafür muss man ja jetzt auch was tun. Wenn die in der Schule nichts versteht und ich ihr auch nicht behilflich sein kann, dann muss ich hier vielleicht Nachhilfe organisieren. Die Nachhilfe gibt es auch nicht umsonst und die kostet viel Geld. Wenn sie nicht nur einmal Nachhilfe, sondern regelmäßig Nachhilfe bekommen soll, dann kostet das viel Geld. Viel Geld, was vielleicht nicht in Vermögen gesteckt werden kann.
Vielleicht sagt sie irgendwann, die ist jetzt noch klein, sagt sie: Du, Papa, ich möchte ... Oder wir stellen fest, weiß ich nicht, vielleicht aus Gründen, weil die Noten nicht passen oder aus Gründen, weil wir sogar entscheiden können, an welcher Uni sie studiert, weil sie sagt, dort ist der Lehrstuhl am besten, wenn sie studieren möchte. Um Gottes Willen. Muss sie nicht. Aber wenn sie dann sagt: Ich möchte in Hamburg an der Uni studieren, weil dort Lehrstuhl XY wirklich top ist und ich würde auch ...
Ich weiß nicht, wie viele Eltern, die vielleicht auch hier zuhören, sich mal ausgerechnet haben, wie viel so ein Studium Geld kostet, wenn man es finanzieren möchte als Elternteil. Und jetzt stell dir vor, das Kind sagt auch noch, sie möchte nicht zu Hause leben während des Studiums, sondern in der Stadt. Da musst du für deine Tochter Miete bezahlen oder Studentenwohnungen bezahlen. Das gibt es nicht geschenkt.
48:13 – Özgün Imren
All das kostet verdammt viel Geld, was dir da fehlt. Das meine ich ja. Also: Haushaltsrechnung, Ansprüche, Rentenlücke und dann pure Realität.
Diese pure Realität kennen viele, die ich treffe, noch nicht so.
48:34 – Erol Jasharoski
Ja, weil man sich halt einfach nicht mit der Thematik beschäftigt. Ich meine, wir haben jetzt das Beispiel gehabt: Die Rentenlücke ist jetzt bekannt und jetzt rechnen wir uns mal den Kapitalbedarf hoch. Haben das jetzt mal für 20 Jahre gemacht. Ich glaube, bei der Rechnung ist auch ein bisschen wichtig, natürlich zu gucken: Gut, was ist denn so die durchschnittliche Lebensdauer? Ich meine, da kennst du dich besser aus als jeder andere, weil es ja auch gerade für die Immobilienverrentung unglaublich wichtig ist. Aber so grundsätzlich haben wir so: Ein Mann mit 65 hat noch 18 Jahre so im Durchschnitt und ...
48:35 – Özgün Imren
Genau, schiebt man gerne mal zur Seite.
49:04 – Erol Jasharoski
... eine Frau mit 65 hat noch 21,1. Das sind 21 Jahre.
Jetzt aber die Frage: Gut, dieser Durchschnitt, der geht natürlich auf das Durchschnittsalter dann eben ein. Aber wir dürfen natürlich auch nicht vergessen, das kennst du ja wahrscheinlich aus der Versicherungsbranche noch mal besser als ich: Langlebigkeitsrisiko. Und ich glaube, es ist auf dem Papier jetzt mal wahrscheinlich einfacher gerechnet, wenn ich jetzt nur bis 85 rechne. Dann kommt ich dann, vielleicht fühlt sich dann diese Rentenlücke oder der Kapitalbedarf, den ich da habe, vielleicht ein bisschen besser an, weil die Summe nicht so groß ist. Tatsächlich wäre es wahrscheinlich eher besser, mit 90 und 95 zu rechnen. Weil wenn du dann mit 85 irgendwie feststellst, ich habe ja noch 200.000 irgendwie auf dem Konto, dann ist das definitiv kein Problem, das du damit im Endeffekt hast. Wenn du aber dann mit 90 feststellst, ich habe gar kein Geld mehr, dann ist das, glaube ich, eine sehr, sehr unschöne Geschichte, gerade so für die letzten Lebensjahre.
50:06 – Özgün Imren
Ich habe letztens, vielleicht ganz kurz, ich habe letztens mit einem Investor gesprochen, der mich gefragt hat, wie ich denn gerechnet habe bei einem Kunden, der 75 ist und seine Immobilie verkaufen möchte. Dann habe ich gesagt: Ja, hier die statistische Lebenserwartung, Tabelle vom Bundesfinanzministerium und so weiter. Noch zwölf Jahre statistische Lebenserwartung. Da hat er mich ausgelacht.
Er hat wirklich gelacht am Telefon und meinte: Diese Tabelle, die stimmt nicht. Dann habe ich gesagt: Warum stimmt die Tabelle nicht? Die ist ganz offiziell, die ist aktuell, die wird jedes Jahr neu rausgegeben, meistens so im Oktober eines Jahres, wenn da vom Bundesfinanzministerium die Zahlen rauskommen, wie die statistische Lebenserwartung ist. Dann hat er gesagt, er ist Manager bei einer Krankenversicherung in Deutschland. Er wollte mir nicht sagen, bei welcher. Und die haben sehr, sehr genaue Zahlen darüber, wie lange die Menschen leben, weil die natürlich einen Kundenbestand haben und auch die Menschen auch, wenn sie Pflegefälle werden, die müssen ja zahlen, die Krankenhauskosten, die Pflegekosten und, und, und.
Und die haben das mal in der Branche, also auf sich selber, in ihrer Firma, die Krankenversicherung, keine kleine Krankenversicherung – er meinte, eine relativ große –, die haben Zahlen, die sehr aussagekräftig sind. Und er sagt: Diese Zahlen stimmen nicht. Die Menschen in Deutschland werden im Durchschnitt sogar Mitte 90. Stand jetzt.
Und so will er, wenn er jetzt sein Invest in diese Immobilie auch rechnet, muss er von der Realität ausgehen und nicht von den Zahlen bis Mitte 80 ungefähr, weil das stimmt nicht. Also er sagt nicht, dass alle bis Mitte 90 gesund alt werden, sondern einfach das Thema – wir hatten ja unsere letzte Folge über das Thema Pflege –: Es gibt unglaublich viele Menschen, die irgendwann ein Pflegefall werden, Tendenz steigend, und einfach viele Jahre als Pflegefall noch leben. Weil einfach die medizinische Versorgung noch da ist und, und, und. Und das Leben halt dann einfach mit Mitte 90 irgendwann aufhört. Wenn du ganz viel Glück hattest, sogar gesund bis Mitte 90. Aber das ist tatsächlich, kommt nicht so oft vor. Also die Wahrscheinlichkeit, dass du ...
52:16 – Özgün Imren
... alt wirst und die letzten Jahre deines Lebens krank verbringst, ist sehr hoch. Und doof wäre es, wenn du deine Kalkulation zu kurz machst und das Geld dir dann ausgeht. Das ist Business der Versicherer, der Rentenversicherer, die sagen: Gib uns dein Geld, leg es bei uns an, wir übernehmen das Langlebigkeitsrisiko.
Du bekommst deine Rente, solange du lebst, auch wenn das Guthaben, was du bei uns hattest, schon aufgebraucht ist.
52:53 – Özgün Imren
Nein, die lassen sich da auch nicht lumpen. Das hört sich natürlich auch gut an, ist auch gut. Und man kann glücklich darüber sein, dass man dann natürlich die Rente weiterbezahlt bekommt, auch wenn man lang, oder wenn man alt wird. Aber die rechnen natürlich selber in ihren Kalkulationen schon auch damit, dass die Leute im Durchschnitt älter werden. Und entsprechend musst du halt mehr angespart haben, um eine mögliche Rente zu bekommen, als wenn du jetzt mit einer höheren Verzinsung oder einer kürzeren statistischen Lebenserwartung gerechnet hättest.
53:25 – Erol Jasharoski
Jetzt ist es aber so, und da sind wir auch genau in deinem Fachgebiet eigentlich drin: Was ist denn, wenn ich den großen Teil meines Vermögens, der liegt gar nicht auf dem Konto oder auch in irgendwelchen ETFs oder Fonds oder was weiß ich was, sondern der liegt im Haus, in der Wohnung? Wie sieht es denn da eigentlich aus? Also zählt, kann ich meine Immobilie irgendwie auch in mein Rentenvermögen reinrechnen oder wie genau verhält es sich damit eigentlich?
53:54 – Özgün Imren
Hier das einfachste Beispiel.
Also ich gehe mal davon aus, dass du den Anspruch hast – du meine ich generell, die Menschen, die Immobilienvermögen haben –, in der selbst genutzten Immobilie zu leben und idealerweise die Immobilie entweder voll oder zum Großteil abbezahlt ist bis zum Rentenalter. Die haben natürlich einen Riesenvorteil: Die müssen sich keine Sorgen über Mieten machen. Die müssen keine Miete zahlen.
Das ist unglaublich viel wert. Wenn du Miete zahlst, wirst du wahrscheinlich in 20 Jahren mehr Miete zahlen müssen, als du jetzt zahlst. Bin ich mir relativ sicher. Überall in Deutschland. So, und das musst du natürlich dann einpreisen auch. Du bekommst, nehmen wir an, du bekommst 2.000 Euro Rente und musst 1.300 Euro Miete zahlen. Wie soll das funktionieren?
Wenn du 2.000 Euro Rente bekommst und keine Miete bezahlst, hast du 1.200 Euro mehr zur Verfügung für andere Sachen, für die Lebensqualität. So, und was noch dazukommt, vergessen ja auch einige. Ich meine, warum, du hast vorhin von meinem Job gesprochen.
Die Leute wollen in ihren Immobilien weiter wohnen bleiben und nicht ausziehen und zur Miete irgendwo wohnen, weil ihnen Sicherheit sehr, sehr wichtig ist. Wohnen dürfen. Wohnen bleiben dürfen.
55:22 – Özgün Imren
Keine Gefahr haben, eine Eigenbedarfskündigung zu bekommen. In dem Alter auch noch mal auszuziehen, im Rentenalter, ist auch noch mal so ein Gefahrenfaktor. Oder Mieterhöhungen zu bekommen. Und, und, und. Also das ist, ich, definitiv, um auf die Frage von dir zurückzukommen, sehr viel wert. Und ja, meiner Meinung nach, die Immobilie kann definitiv als Vermögen zählen, vor allem hinsichtlich der gesparten Miete. Plus, was ja noch dazukommt, ist: Wenn du irgendwann ausziehen solltest, kannst du ja auch vermieten.
Das sind auch wieder Mieteinnahmen, Erträge, die du aus der Immobilie ziehen kannst. Plus seit 10, 15 Jahren das Thema: Du kannst ja die Immobilie verkaufen und wohnen bleiben und den Kaufpreis trotzdem bekommen. Stichwort Verkauf mit Nießbrauch, Wohnungsrecht, Sale and Leaseback, gibt es ja all die Modelle, die mittlerweile sehr bekannt geworden sind. Oder du kannst dein Haus verkaufen und in eine kleinere Wohnung ziehen. Ist ja auch für viele eine Möglichkeit zu sagen: Hey, Haus brauchen wir nicht mehr, Kinder sind groß, ausgezogen.
Wir persönlich haben jetzt auch nicht die riesige emotionale Bindung. Es ist nicht so wichtig, dass wir unbedingt hier bleiben müssen. Wir haben eine Aussicht auf eine kleinere Wohnung, die nicht so teuer ist. Entweder zum Kauf oder zur Miete vielleicht sogar. Dann würde ich sagen, zählt deine Immobilie auch als Vermögen, das du liquidieren kannst und aus dem du Geld schöpfen kannst.
Also, es hat definitiv meiner Meinung nach schon einen Vermögenswert. Also man kann es als Vermögen klassifizieren, meiner Meinung nach. Aber in den meisten Fällen – nicht aber, es ist so, dass es in den meisten Fällen nicht liquide ist. Also du kannst davon nicht knabbern. Du wohnst drin und musst gucken, dass du Liquidität natürlich gewinnst.
57:31 – Erol Jasharoski
Ja, deckt sich eins zu eins mit dem, was auch bei mir rausgekommen ist in der Recherche. Also quasi einfach die Möglichkeit zu bleiben, keine Miete zu haben, im vertrauten Umfeld. Klar, man hat irgendwo Instandhaltungen, man hat Energiekosten, man hat Grundsteuer, man muss gegebenenfalls irgendwas umbauen oder Sonstiges. Das ist halt einfach so. Nichtsdestotrotz, man zahlt halt am Ende des Tages keine Miete und das kann schon einen großen Kostenblock definitiv im Monat entfernen.
Du sagst es, aber auch immer die Möglichkeit: Du hast zwar nicht die direkte Liquidität da drin, aber du hast die Möglichkeit zu verkleinern. Du kannst verkaufen und in was anderes ziehen, du kannst verkaufen, dir was anderes kaufen, was Kleineres, oder auch ins Ausland eben gehen und dir dort was kaufen. Nach wie vor den Luxus zu haben, keine Miete zu zahlen. Oder eben genau die Möglichkeit, die es halt seit ein paar Jahren gibt, mit den Immobilienverrentungen einfach das Vermögen oder die Liquidität zu monetarisieren. Stand heute trotzdem die Sicherheit zu haben, weiter darin wohnen bleiben zu können. Oder eben den Spieß umzudrehen und zu sagen: Nee, jetzt nehme ich mal einen größeren Batzen aus dem Kapital und zahle dann halt Miete, aber bleibe im selben Umfeld. Auch das ist eine unglaubliche Luxussituation, aber genau das ermöglicht dir die Immobilie.
Und für all diejenigen, die zu dem Zeitpunkt keine Immobilie haben: Also selbst wenn sie nicht abgezahlt ist, hat man ja trotzdem die Möglichkeiten, die wir besprochen haben, nur halt nicht in der vollen Kapazität. Wohingegen halt jemand ohne Immobilie natürlich eben diesen Faktor gar nicht hat und hoffentlich, hoffentlich ganz dick quasi markiert, in der Zwischenzeit irgendwie geguckt hat, dass da ein Depot ist, dass da irgendwie ein Fonds oder ein Sparplan, irgendetwas befüllt ist, zumindest dann halt das Kapital so zu haben, damit natürlich dann eben monatliche Mieten und weitere Kosten bedient werden können.
59:31 – Erol Jasharoski
Jetzt sprechen wir schon eine Stunde und jetzt sind wir eigentlich auch bei der letzten Frage angekommen, und zwar haben wir sie schon so ein bisschen angerissen an der einen oder anderen Stelle: Muss ich mein Vermögen bis zum Ende erhalten oder kann ich das eigentlich in den letzten Jahren ordentlich auf den Kopf hauen?
59:52 – Özgün Imren
Das weiß ich nicht, Erol. Es kommt drauf an, wie bei der ersten Frage von dir. Wenn ich die Menschen angucke, mit denen ich in den letzten Jahren viel zu tun hatte: Es gibt viele, die gesagt haben, ich muss das Haus ... was meistens das Vermögen wiedergibt, was man hat. Also eine Immobilie ist meistens das größte Vermögensstück, was die Menschen haben. Sehr oft. Und da ist es oft so, dass die Leute sehr mit sich kämpfen, gekämpft haben oder sich schlecht dabei fühlen, zu sagen: Ich muss jetzt an dieses, ich muss ran an das Vermögen, um mein Leben irgendwie finanzieren zu können. Aber gleichzeitig es einzugestehen, das Haus nicht weiter vererben zu können.
Wie oft sind Menschen oder war ich mit Menschen im Gespräch, die mich dann gefragt haben: Ja, immerhin.
01:00:55 – Özgün Imren
Zu Ihnen kommen aber nur Menschen wahrscheinlich, die keine Kinder haben, oder? Weil man möchte ja die Immobilie vererben. Das ist so tief drin. Also: Die Immobilie muss vererbt werden. Das Vermögen muss vererbt werden. Frage ist wirklich, wirklich, wirklich: Warum?
Ich frage jetzt nicht „Warum?“, weil ich die Antwort darauf habe. Mit der Frage beschäftige ich mich ja selber auch. Warum? Warum muss ich, natürlich mein Hab und Gut, die paar Kröten in Anführungsstrichen, warum muss ich die vererben? Was will ich denn eigentlich? Ich will, also ich spreche jetzt für mich, ich möchte, dass meine Tochter gesund aufwächst, eine vernünftige Schulbildung bekommt und aufs Leben gut vorbereitet ist und idealerweise auf eigenen Beinen steht. Mein größter Wunsch. So.
01:01:54 – Özgün Imren
Ich möchte idealerweise, dass meine Tochter gar nicht angewiesen ist auf irgendein Erbe, was auch immer dieses Erbe dann ist. Und ich möchte aber gleichzeitig, dass sie in Zukunft sich keine Sorgen machen muss um Geld, keine Sorgen machen muss um Sicherheit, Wohnsicherheit und, und, und.
Ich wünsche mir ganz tief im Inneren vielleicht auch, dass sie nicht so viel buckeln muss wie ich oder hart arbeiten muss.
01:02:26 – Özgün Imren
Deswegen ist es eine Frage, mit der ich mich sehr beschäftige. Gleichzeitig möchte ich aber auch, wenn ich irgendwann 85 bin und zurückgucke, möchte ich schon auch sagen können: Ich habe nicht nur für die Zukunft gelebt, sondern ich habe auch in der Gegenwart das Leben ein Stück weit genossen. Ich habe die Dinge gemacht, die ich machen wollte. Ich habe die Dinge gesehen, die ich sehen wollte. Ich habe vielleicht sogar das gekauft, was ich kaufen wollte, was mir wirklich wichtig war. Und das ist, glaube ich, ein Spagat zwischen beiden.
01:03:05 – Erol Jasharoski
Tatsächlich würde ich direkt unterschreiben. Ist genau das, was ich auch sehe. Das ist tatsächlich auch oft das Gespräch, was ich mit meinen Eltern habe, wo ich mir damit natürlich auch ein bisschen vorstelle: Wie führe ich das Gespräch später mit meiner Tochter? Halt quasi hoffentlich positiv. Wo ich immer oft zu meinen Eltern Stand heute sage: Ich habe ja da vorher schon über meinen Vater kurz gesprochen, ich sage ja: Bitte, also achtet nicht auf mich.
Genießt euer Leben. Wirklich, wenn ich selber auf mich gucke: größte Befürchtung, wenn ich mich so reinversetze in mein 80-jähriges Ich, hoffentlich vielleicht sogar älter, ist ja wurscht, Hauptsache so einigermaßen gesund, aber ich weiß, so langsam kommt es zum Ende. Die schlimmste Befürchtung ist, da zu sitzen und zu sagen: Wow, ich habe mein Leben nicht gelebt. Also das, was ich mir vorgenommen habe. Klar, man nimmt sich immer Sachen vor, die passieren oft nicht so, wie man es dann eben geplant hat. Das meine ich gar nicht. Man träumt ja so gewisse Sachen eben. Ich kann reisen, kann was Schönes erleben. Es sind ja die kleinen Momente. Ich muss ja nicht eine Weltreise machen. Ich muss auch nicht irgendwie aufs Kreuzfahrtschiff. Aber vielleicht ist es so: Ich habe mit meiner Frau so eine Fantasie, dass wir sehr, sehr gerne einfach im Rentenalter irgendwie so ein Segelboot mit zwei Kabinen haben und da drauf verbringen wir die meiste Zeit unseres Lebens. Ob es so sein wird, das weiß kein Mensch.
Aber das dann nicht zu erfüllen oder nicht zumindest versucht zu haben oder Sonstiges, das wird mir persönlich, glaube ich, im hohen Alter dann schon ... da wäre ich schon traurig darum. Wobei man am Ende des Tages natürlich auch immer sagen muss: Keiner weiß, was in den nächsten 20, 30 Jahren passiert. Lebensumstände ändern sich, Krankheit, die Welt ändert sich. Damit verschwinden natürlich auch irgendwelche Fantasien, die man in Anführungszeichen in jungen Jahren sich irgendwo gesetzt hat. Davor ist man nicht gewahrt.
Aber ich stelle mir oft dann eben die Frage: Na ja gut, wenn ich jetzt in meinem Alter dann dieses Kapital nicht verzehre, was ich ja irgendwo über Jahrzehnte aufgebaut habe, da habe ich doch irgendwas falsch gemacht. Ich meine, dann hätte ich vielleicht in jungen Jahren nicht so hart buckeln müssen, wie ich es teilweise heute tue, weil ich es später ja gar nicht verbrauche und das einfach nur blindlings jemandem vererbe. Davon halte ich persönlich jetzt auch nichts. Ich bin tatsächlich auch in der Luxussituation, ...
01:05:31 – Erol Jasharoski
dass, Gott behüte, wenn meinen Eltern mal was zustößt, dass sie nicht mehr da sind, ich ein bisschen was erben werde. Ist jetzt aber auch nicht die Welt, aber zumindest ist es ein Puffer, wo man sich nicht den Kopf über alles zerbrechen muss.
Aber gleichzeitig, wenn ich dann auf die Waage setze: Achte ich oder spekuliere ich auf dieses Erbe oder wäre es mir tatsächlich lieber, wenn ich sagen würde, ich würde meine Eltern in den nächsten Jahren superglücklich einfach sehen? Dann würde ich Stand heute tatsächlich meine glücklichen Eltern wählen. Auch das aus einer sehr, sehr komfortablen Position, weil ich glaube, würde es mir selber, sage ich mal, nicht so gut gehen, wie es mir tatsächlich geht, würde ich da vielleicht anders draufblicken. Stand heute würde ich aber tatsächlich dann eher dahingehen, zu sagen: Also ballert vielleicht nicht alles raus. Um Gottes Willen, auch in eurem eigenen Interesse. Nicht, dass dann doch was passiert und dann haben wir ein Problem.
Aber ich würde Szenario ... Ich habe da, by the way, zwei, also drei Szenarien auch gebaut. Szenario A: Kapital erhalten, also gar nichts ausgeben. Szenario B wäre das kontrollierte Verbrauchen, was ich selber auch präferieren würde. Und C wäre halt stärker verbrauchen, wo am Ende des Tages du zwar ein tolles Leben hast, noch eine maximale Nutzung vom Kapital hast, aber vielleicht später, wenn du dann doch älter wirst als gedacht, massive Probleme hast.
Deswegen würde ich tatsächlich sagen: Das Vermögen, das man da eigentlich hat, irgendwie kontrolliert verbrauchen mit dem Ziel, das Vermögen, das man hat, über 20, 30 Jahre bewusst reduziert zu haben, um einen höheren Lebensstandard zu wahren. Aber trotzdem am Ende des Tages noch so ein bisschen Puffer zu haben, falls dann doch noch mal irgendwas schiefläuft. Das würde tatsächlich, glaube ich, wäre das, was ich so präferieren würde, wenn du mich jetzt persönlich fragen würdest.
01:07:32 – Özgün Imren
Ich habe eine Frage an dich. Nehmen wir an, deine Tochter bekommt dann, wenn es so weit ist, die Chance, weil sie die Fähigkeiten dazu besitzt, an einer Elite-Universität zu studieren. Alle, die wir so kennen. Harvard und, und, und. Wir wissen, da kriegt sie aber kein Stipendium. Es kostet pro Jahr, keine Ahnung, was das kostet, ich sage jetzt mal 100.000 Euro. Und sie muss dort drei Jahre bleiben. So, also du kannst schon mal von 300.000, vielleicht noch ein paar Zerquetschte, ausgehen. Du hast das, aber das ist deine Altersvorsorge.
Wie würdest du dich entscheiden?
01:08:20 – Erol Jasharoski
Also kann ich, kann ich dir tatsächlich beantworten. Könnte ich dir. Also Szenario A ist: Ich habe diese 100.000 oder ich habe ein bisschen ... Genau, deswegen, das sind meine Szenarien. Also ich kann es mir gerade noch so leisten. Und ich würde sogar noch on top ein Szenario draufpacken: Ich bin Multimilliardär. Meine Antwort wäre in beiden Szenarien die gleiche.
01:08:28 – Özgün Imren
Ja, davon gehen wir mal aus. Du hast sogar 300.000.
01:08:45 – Özgün Imren
Ach so, okay, interessant.
01:08:48 – Erol Jasharoski
Ich würde sie so gut es geht realistisch finanziell unterstützen. Ich würde aber auch darauf pochen, nach dem Motto: Viel Spaß bei Subway oder McDonald’s. Also ich würde darauf pochen, dass sie trotzdem einen Großteil davon auch irgendwie selbst organisieren müsste.
Gar nicht als eine Bestrafung oder so, sondern tatsächlich bin ich einfach davon überzeugt. Das mache ich auch heute, sie ist sieben. Ich zwinge, also in Anführungszeichen zwingen, ich versuche sie regelmäßig zu Hausarbeit zu motivieren. Ich gebe ihr – gestern war ein gutes Beispiel – am Abendtisch: Steh jetzt bitte auf, geh, nimm deinen Teller, mach ihn sauber, tu ihn in die Spülmaschine. Nicht weil ich da keinen Bock drauf habe oder weil ich sie quälen will oder Sonstiges. Ich bin davon überzeugt, dass das genau die Momente sind, wo du für dein eigenes Leben eigentlich was mitnimmst.
Das Gleiche wäre im Studium. Ich glaube, wenn du ... würde ich ihr alles zahlen und sie würde dahin gehen, hätte ich eine zu große Sorge oder beziehungsweise in meiner Welt wäre sie keine gute Studentin und sie hätte etwas nicht gelernt: Dieses hart Arbeiten bringt eigentlich etwas.
Deswegen würde ich sie so gut wie möglich unterstützen. Ich würde aber auch darauf pochen, dass sie definitiv, wo auch immer, arbeiten gehen müsste.
01:10:14 – Özgün Imren
Ganz bewusst, auch wenn du weißt, dass diese 300.000, die du da hast, vielleicht auch alles sind, was du beiseite hast an liquiden Mitteln?
01:10:23 – Erol Jasharoski
Das meinte ich ja mit einer Balance. Also ich würde nicht blindlings alles geben. Könnte ich auch nicht. Da bin ich nicht der Typ dafür. Sondern ich würde so viel ich davon aufbringen könnte, würde ich als Unterstützung geben, ohne nachzudenken. Bei dem einen Szenario wäre sie ja so oder so gezwungen, einen Großteil davon auch irgendwie selbst zu gucken, dass sie das nebenbei irgendwie verdient, um es stemmen zu können. Bei dem anderen Szenario hätte ich ja mehr als genug. Da würde ich aber trotzdem darauf pochen, dass sie das tut.
01:10:53 – Özgün Imren
Mit dem vollen Bewusstsein, dass du damit aber eigentlich deine eigene Altersvorsorge oder dein vererbbares Vermögen schmälerst durch ...
01:11:02 – Erol Jasharoski
Tatsächlich ja, ja. Und ich würde sogar noch mal eine Ebene höher gehen. Ich hätte gleichzeitig auch nicht die Erwartungshaltung, dass sie mich dann zwingend ... Also ich hoffe, dass sie mir natürlich hilft, falls dann bei mir irgendwas im hohen Alter nicht mehr so funktioniert, wie es geplant war. Ich hätte aber nicht die Erwartungshaltung, weil ich habe mal ... Wir haben jetzt eine längere Zeit her und tatsächlich habe ich das damals im Kontext so mitbekommen, dass das Elon Musk irgendwie gesagt hat. Ich habe aber keinen Beleg dafür. Losgelöst davon. Ich fand den Satz oder den Gedankengang sehr, sehr gut. Da war nämlich der Punkt so: Wenn du Kinder in die Welt setzt, dann sind dir diese Kinder am Ende des Tages erst mal nichts schuldig. Du hast die Entscheidung getroffen, Kinder auf die Welt zu setzen. Du hast die Verantwortung für dieses Kind, nicht dieses Kind für dich.
Und das fand ich einen interessanten, quasi, ja, Gedankengang dahingehend. Weil wir vor allem natürlich jetzt, sage ich mal, mit Migrationshintergrund, ist ja oft so: Eltern tun für uns alles, deswegen im hohen Alter tun wir auch für sie etwas. Ich habe das aber oft auch so gemerkt, dass sich das auch schon so in den Köpfen reingesetzt hat, dass das so ist. Wenn dann so Kinder aus der Reihe tanzen und sich dann vielleicht nicht mehr um ihre Eltern kümmern, weil sie mit ihrem eigenen Leben beschäftigt sind oder was weiß ich was ...
01:12:22 – Özgün Imren
... und gute Kinder.
01:12:25 – Erol Jasharoski
Dann wird das sehr negativ aufgefasst. Ob berechtigt oder nicht, völlig dahingestellt. Ich habe aber für mich den Beschluss deswegen genauso gefasst, das zumindest mal zu versuchen im Leben zu sagen: Ich bin dafür zuständig, ich habe sie in die Welt gebracht, ich hätte auch genauso gut das nicht tun können. Aber weil ich es entschieden habe und auch bewusst entschieden habe – es soll idealerweise auch nur bei einem bleiben, weil ich die Verantwortung für mehrere gar nicht haben möchte, ganz ehrlich zu sein, auch vielleicht gar nicht kann –, wäre das so der Gedankengang oder würde ich machen. Vielleicht Frage zurück an dich: Wie würdest du denn damit umgehen?
01:13:06 – Özgün Imren
Ich weiß es nicht. So mal ad hoc gesagt, ich sage natürlich: Bis zum bitteren Ende unterstütze ich sie. Und idealerweise natürlich auch mit ins Boot nehmen, mit in die Verantwortung nehmen: Du musst dort auch arbeiten und was für dich tun und so weiter. Aber irgendwann, wenn sie mich dann anruft und sagt: Papa, ich kann hier überhaupt nirgendwo teilnehmen, weil ich am Tag acht Stunden bei Subway arbeite, dann noch acht Stunden irgendwie an der Uni rumhängen muss, ich kann null Netzwerke knüpfen und, und, und, würde es vielleicht dann doch irgendwann in die Richtung gehen, dass ich sage: Ja, mach nur Teilzeit bei Subway oder McDonald’s.
Ich will, wenn du schon dort bist, dann auch voll und ganz. Dann ist ja nicht nur das Studium an sich, sondern vieles andere auch. Damit meine ich jetzt nicht, auf irgendwelche Partys zu gehen oder so. Es gibt ja viele andere Sachen, die du auch noch machen kannst außerhalb des Studiums.
Aber wenn ich mich da reinversetze und sage, das ist mein letztes Vermögen, weil es ja auch verdammt viel Geld ist, bin ich genau in dem Ding. Und worum geht es? Geht es darum, Vermögen für die Zukunft aufzubauen, wovon ich irgendwann leben kann? Oder geht es darum, dass ich meinem Kind, den Kindern schon zu Lebzeiten einfach die größtmögliche Unterstützung zukommen lasse, bei voller Klarheit, dass es für mich vielleicht irgendwann später fehlen wird?
Vielleicht im Hinterkopf irgendwie: Wenn es dann wirklich zum Pflegefall kommt, wenn ich wirklich alt und gebrechlich bin. Hoffentlich kennt sie mich dann noch, hoffentlich sieht sie mich dann noch. Eine Garantie dafür gibt es sowieso nicht.
Deswegen bleibt es für mich tatsächlich etwas, was ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu 100 Prozent beantworten kann. Ich würde wahrscheinlich versuchen, nach bestem Wissen und Gewissen für natürlich meine Tochter, aber auch für meine gemeinsame Zukunft mit meiner Frau, ja auch für unsere Rente etc., die beste Entscheidung zu treffen. Ich würde vielleicht auch ...
01:14:58 – Özgün Imren
Das kommt mir nicht, wenn ich es ausspreche. Nicht ad hoc sagen, dass es die Gelegenheit des Lebens ist, dort studieren zu müssen. Vielleicht gibt es ja auch eine gute Uni, auch gute Zukunftsperspektiven mit nicht so hohen Kosten. Vielleicht, weiß ich nicht, die Antwort ist offen. Vielleicht ist die Antwort auch: Nein. Man muss dorthin, um das Leben zu haben, dass das Kind das Leben bekommt, was für sie quasi möglich wäre.
Ich weiß aber, dass die Antwort darauf, vor allem, wenn du es nicht locker hast, vor allem, wenn du nicht in der glücklichen Position bist, sagst: Kein Problem, such dir aus, wo du leben möchtest. Natürlich lasse ich dich auch ein bisschen arbeiten, damit du auch weißt von Anfang an, was heißt zu arbeiten. Aber eigentlich, mein Gott, zahl ich es dir halt, wo ist denn mein Problem?
Wenn das nicht so ist, dann ist das eine sehr schwierige Entscheidung, die ich Gott sei Dank jetzt so nicht treffen muss. Ich habe noch ein paar Jahre bis dahin.
01:16:05 – Erol Jasharoski
Bis dahin gibt es hier keine Elite-Unis mehr. Sowieso nur noch alles KI.
01:16:10 – Özgün Imren
Das ist ein ganz anderes Thema, andere Folge.
01:16:14 – Erol Jasharoski
Nee, ich würde sagen, damit haben wir eigentlich alle Fragen soweit beantwortet. Ich glaube, vielleicht als Fazit: Was kann man denn zum Schluss so mitnehmen? Ich persönlich würde drei Zahlen tatsächlich mitnehmen wollen oder jedem empfehlen wollen zu kennen, um später vielleicht nicht in Schweiß gebadet aufzustehen. Das eine ist wirklich: Was brauche ich heute? Was brauche ich später? Also abgeleitet von dem, was ich heute brauche, einfach wirklich nicht zu gucken: Wie hoch ist mein Rentenbescheid? Sondern einfach zu überlegen: Wie viel brauche ich denn wirklich, realistisch, mit den Kostenfaktoren, die in der Zukunft zählen? Nicht alle von heute werden noch in der Zukunft zählen und vice versa.
Dann am Ende des Tages ganz genau zu wissen: Was bekomme ich? Was bekomme ich an Rente? Was bekomme ich in Theorie aus meinen, sage ich mal, Investments oder wo mein Kapital halt auch ist oder nicht ist?
Und am Ende des Tages dann daraus auch wirklich: Was kann mein Vermögen später auch wirklich leisten? Also wie kann ich davon dann zehren? Oder eben die Feststellung: Da fehlt noch einiges, wie kann ich dieses Vermögen erst aufbauen? Das würde ich wirklich jedem wärmstens ans Herz legen, das so früh wie möglich zu erarbeiten und dann vielleicht auch immer wieder mal zu hinterfragen und zu gucken: Bin ich denn in meinem Jahresziel, vielleicht in der Vertriebssprache zu bleiben, oder hinke ich hinterher? Und dann dadurch Maßnahmen zu ergreifen. Das ist, glaube ich, das, was ich jetzt persönlich aus der Folge rausnehmen würde und was ich auch jedem, wie gesagt, empfehlen würde, genauso zu machen.
01:18:03 – Erol Jasharoski
Wie sieht es bei dir aus? Was würdest du da mitnehmen aus der Folge?
01:18:08 – Özgün Imren
Also ich glaube, obwohl ich schon weiß, wie ... da mal klar geworden ist, wieder klar, wenn ich über das Thema Rente und auch Pflege, vor allem über Rente spreche: Es macht Sinn, sich früh diesen Fragen zu stellen. Es macht Sinn, sich früh die Frage zu stellen, wie ich in Zukunft leben möchte.
Vor allem, wenn mein Arbeitseinkommen wegfällt. Weil wir irgendwann nicht mehr arbeiten. Entweder weil wir keine Lust mehr haben oder weil wir einfach nicht mehr können. Was passiert dann? Wie kann ich dann leben? Bleibt das ein Wunsch von mir, so leben zu können, oder kann ich es mir wirklich auch leisten? Weil wir oft jahrzehntelang Geld verdienen, aufbauen und versuchen, etwas zu schaffen, versuchen, Vermögen aufzubauen. Aber irgendwann sollte das natürlich sich auch ausgezahlt haben, idealerweise. Irgendwann sollte auch was da sein, von dem ich zehren kann, idealerweise.
Idealerweise habe ich mit dem, was ich aufgebaut habe, etwas geschaffen, womit ich die zweite Halbzeit meines Lebens angenehmer, vielleicht sogar besser, durchleben kann, ohne dass man sich hier oben zu viel anstrengen muss auf finanzieller Ebene. Wie das funktioniert, sollte man sich meiner Meinung nach vorher, bevor man in Rente geht, Gedanken machen.
01:19:45 – Erol Jasharoski
Das ist genau das. Rente am Ende des Tages ist keine Zahl. Es ist eine Strategie für die zweite Halbzeit, für die zweite Lebenshälfte. Und die sollte man so früh wie möglich für sich selber, für den Partner quasi gemeinsam erarbeiten. Das ist, glaube ich, ganz wichtig. Es war ein toller Austausch auf jeden Fall. Ein paar Fragen, die ich mir selbst gestellt habe.
Die habe ich beantwortet. Tatsächlich ein paar andere Fragen mitgenommen aus der Folge. Am Ende des Tages würde uns natürlich auch wahnsinnig interessieren, was Sie aus der Folge rausgenommen haben. Welche Fragen Sie sich vielleicht stellen. Vielleicht haben Sie zu ein paar von den Punkten, die wir hier so für uns beantwortet haben, eine komplett andere Meinung. Da haben Sie in den Kommentaren definitiv die Möglichkeit, die mit uns zu teilen. Tun Sie das auch unbedingt.
Ansonsten kann ich jedem auch nur empfehlen, den Kanal zu abonnieren, damit Sie auch in der Zukunft keine spannende Folge verpassen. Der Folge natürlich auch ein Like geben, das hilft uns auf jeden Fall. Und ich hoffe persönlich sehr, dass Sie auch bei der nächsten Folge entsprechend dabei sind. Und wie immer möchte ich natürlich dir auch noch mal die Möglichkeit geben, ein paar letzte Worte zu sagen.
01:20:57 – Özgün Imren
Ich schließe mich deinen Worten an, Erol. Würde mich sehr freuen, wenn die Zuhörer und Zuschauer Gefallen an der Folge haben und das dadurch zeigen, indem sie den Kanal abonnieren, ein Like vielleicht dalassen. Wir befinden uns hier mitten im Aufbau eines neuen Kapitels für uns, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich persönlich habe wieder mega viel Spaß gehabt jetzt an der Folge mit dir, Erol. Wie du auch.
Fragen für mich beantwortet, Fragen für mich mitgenommen, mich wieder teilweise auch daran erinnert, dass ich mich mit ein paar Sachen noch mal beschäftigen muss. Vielleicht können wir irgendwann mal ein Update darüber geben, wie das Ganze dann aussieht, welche Antworten wir auf diese Fragen hatten.
01:21:47 – Erol Jasharoski
Das wäre spannend. In 20 Jahren machen wir noch mal eine Folge und gucken, wie viel wir mit uns abverpokert haben.
01:21:51 – Özgün Imren
Vorher, nachher, was ist daraus geworden? Wird sicherlich nicht uninteressant.
01:22:00 – Erol Jasharoski
Auf jeden Fall. Es bleibt spannend. Wir sagen aber auf jeden Fall Dankeschön für Ihre Zeit und bis zum nächsten Mal.
